Leitfaden: Due-Diligence-Checkliste für Franchise in Deutschland

Wer eine Partnerschaft in einem Systemnetzwerk plant, sollte Chancen und Risiken mit einer strukturierten Prüfung bewerten. Dieser Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, welche Unterlagen, Kennzahlen und rechtlichen Punkte in Deutschland vor Vertragsabschluss gesichtet werden sollten und wie Sie Informationen fundiert einordnen.

Leitfaden: Due-Diligence-Checkliste für Franchise in Deutschland

Gründliche Vorbereitung ist der Kern jeder Beteiligung an einem Systemnetzwerk. Vor einer Unterschrift verschafft eine systematische Prüfung Klarheit über Renditepotenzial, Pflichten und Risiken. In Deutschland existiert kein spezielles Franchisegesetz, daher leiten sich Informations- und Aufklärungspflichten vor allem aus dem allgemeinen Zivilrecht und der Rechtsprechung ab. Umso wichtiger ist ein sauber dokumentierter Prozess mit Datenraum, Fragenkatalog, Gesprächen mit bestehenden Partnern und einer realistischen Finanzplanung, die Anlaufphase, Gebühren und Betriebskosten berücksichtigt.

Effektive Strategien für Franchise: Wie prüft man richtig?

Eine effektive Due Diligence beginnt mit einem Plan. Legen Sie Prüfziele, Meilensteine und Verantwortlichkeiten fest und fordern Sie ein vollständiges Informationspaket an, inklusive Handbuchauszügen, Mustervertrag, Leistungsbeschreibungen, Marketingkonzept und Finanzbeispielen. Ordnen Sie Ihre Analyse in vier Stränge: rechtlich, finanziell, operativ und kommerziell. Prüfen Sie, ob der Systemgeber klare Standards, messbare Leistungsindikatoren und nachweisbare Unterstützung bietet, etwa Schulungen, Standortsuche und laufendes Coaching. Dokumentieren Sie alle Annahmen, nutzen Sie Vergleichsdaten aus Ihrer Branche und lassen Sie Zahlen von einer neutralen Fachperson plausibilisieren, um Wunschdenken zu vermeiden.

Alles, was Sie über Franchise wissen müssen

Ein Systemvertrag regelt üblicherweise die Lizenz an Marke und Know-how, Gebietsschutz, Laufzeit und Verlängerung, Wettbewerbsverbote, Kündigungsgründe, Pflichten zu Berichten, Controlling sowie Vorgaben zu Beschaffung und Ladenbau. Prüfen Sie die Vereinbarkeit mit deutschem Kartell- und Markenrecht, besonders bei Preisvorgaben, Bezugsbindungen und Online-Vertrieb. Wichtig sind außerdem Datenschutz und IT-Sicherheit, da viele Systeme zentrale Tools für Kassensoftware, Warenwirtschaft oder CRM nutzen. Klären Sie die Rolle des Handbuchs als verbindlicher Standard, den Umfang von Schulungen, Einarbeitung und Support sowie die Qualität der operativen Leitfäden für Personal, Hygiene, Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung.

Kommerzielle und finanzielle Prüfsteine

Analysieren Sie Marktnachfrage und Wettbewerb in Ihrer Region mit belastbaren Daten zu Kaufkraft, Frequenz, Zielgruppen und Mieten. Verifizieren Sie Planumsätze anhand von Standortprofil, Sortimentsmix und Öffnungszeiten. In die Liquiditätsplanung gehören Anlaufverluste, Gebühren für Eintritt, laufende Lizenz und Werbefonds, Personalkosten, Warenroh- und Wareneinsatz, Energie, Leasing und Rücklagen. Prüfen Sie die Werbeumlage und welche Leistungen Sie dafür erhalten, etwa nationale Kampagnen oder lokale Tools. Sprechen Sie mit mehreren bestehenden Partnern in ähnlich großen Städten, um Erfahrungswerte zu Flächenproduktivität, Personalfluktuation, Lieferfähigkeit und saisonalen Schwankungen zu erhalten.

Franchise erkunden: Was Sie wissen müssen

Vor Vertragsabschluss sollten Sie die vorvertragliche Aufklärung vollständig erhalten, dazu zählen belastbare Informationen zur Geschäftserfahrung des Systemgebers, zur wirtschaftlichen Entwicklung des Netzes, zu Pilotbetrieben, Testphasen und Abbruchquoten. Lassen Sie den Gewerbemietvertrag parallel prüfen, insbesondere Laufzeit, Staffelmiete, Instandhaltung, Konkurrenzschutz und Optionen. Klären Sie Genehmigungen wie Gewerbeanmeldung, bauliche Anpassungen, Arbeitszeit- und Jugendschutzthemen. Prüfen Sie Lieferkettenrisiken, Qualitätsstandards und Ausweichmöglichkeiten, falls zentrale Lieferanten ausfallen. Ermitteln Sie, wie die Gebietszuschnitte definiert sind und ob Online-Verkäufe den Gebietsschutz berühren.

Checkliste kompakt

  • Recht und Vertrag: Vertragslaufzeit, Verlängerung, Kündigungsgründe, Wettbewerbsverbote, Gebietsschutz, Bezugsbindungen, Online-Regeln, Marken- und Designschutz, Haftungsregeln, Gerichtsstand.
  • Vorvertragliche Informationen: Historie des Systems, Zahl aktiver Partner, Eröffnungen und Schließungen, Pilotdaten, Trainingskonzept, Supportstruktur, Gebührenarten und Leistungsumfang.
  • Finanzen: Investitionsplan für Bau, Technik und Erstausstattung, Betriebsmittelbedarf, Gebührenstruktur, Liquiditätsplan 24 Monate, Break-even-Szenario, Sensitivitätsanalyse zu Umsatz und Marge.
  • Standort: Frequenz, Mieten, Parkplatzsituation, Einzugsgebiet, Konkurrenzdichte, Sichtbarkeit, Nutzungsgenehmigung, Mietvertragsklauseln und Nebenkosten.
  • Betrieb: Handbuchqualität, Standardprozesse, Wareneinsatzsteuerung, Kassensystem, Inventur, Qualitätsprüfungen, Lieferfähigkeit, Eskalationsprozesse.
  • Personal: Rekrutierung, Schulungsplan, Einarbeitung, Arbeitszeitmodelle, Lohnnebenkosten, Vertretungskonzepte, Arbeitsschutz und Hygiene.
  • Marketing: Markenpositionierung, lokale Werbemittel, digitale Kanäle, Bewertungsmanagement, Budgethoheit, Erfolgsmessung und Reporting.
  • IT und Datenschutz: Systemvorgaben, Datensicherheit, DSGVO, Auftragsverarbeitung, Backups, Support und Updatezyklen.
  • Reporting und KPIs: Umsatz nach Warengruppen, Rohertrag, Personalkostenquote, Energiequote, Warenverluste, Conversion und Durchschnittsbon.
  • Exit und Nachfolge: Übertragbarkeit, Vorkaufsrechte, Vertragsstrafen, Rückbaupflichten, Regelungen zu Restbeständen und Kundendaten.

Effektive Strategien für Franchise in der Praxis

Strukturieren Sie Gespräche mit Systemzentrale und Partnern anhand eines einheitlichen Fragenkatalogs, damit Antworten vergleichbar werden. Fordern Sie Beispiele für Standortauswahlen, Kampagnenreports und Benchmarks an und vergleichen Sie diese mit Ihrer Planung. Achten Sie auf Widersprüche zwischen mündlichen Aussagen, Präsentationen und Vertragsdokumenten. Halten Sie Prüfpfade schriftlich fest, damit Entscheidungen nachvollziehbar sind. Sinnvoll ist ein internes Go, Rework, No-Go Schema, das nur mit nachvollziehbaren Daten überschritten wird. Planen Sie konservativ und kalkulieren Sie Reserven für Anlaufphase und Verzögerungen ein.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland

Die Aufklärungspflichten vor Vertragsschluss ergeben sich insbesondere aus dem allgemeinen Schuldrecht. Unzutreffende oder unvollständige Informationen können Haftungsfolgen auslösen. Prüfen Sie daher, ob Prognosen als Szenarien oder als verbindliche Zusagen formuliert sind und wie Annahmen belegt werden. Achten Sie auf kartellrechtliche Grenzen bei Preisvorgaben und Exklusivbindungen. Berücksichtigen Sie Pflichten zu Buchführung, Steuern, IHK, Berufsgenossenschaft und, bei Gastronomie, Hygiene und Lebensmittelrecht. Bei Marken- und Designschutz sollte klar sein, wer Inhaber ist und wie die Nutzung geregelt wird. Eine fachkundige Prüfung des Vertragswerks ist empfehlenswert.

Ergebnis zusammenführen und entscheiden

Fassen Sie Erkenntnisse aus Recht, Finanzen, Markt und Betrieb in einem kurzen Investment Memo zusammen. Legen Sie Annahmen, Risiken, Gegenmaßnahmen und die nächsten Schritte dar. Prüfen Sie, ob die Kultur des Systems zu Ihren Werten und Ihrer Arbeitsweise passt und ob Unterstützung auf Augenhöhe gelebt wird. Eine tragfähige Entscheidung berücksichtigt nicht nur Kennzahlen, sondern auch Lieferkettenstabilität, Personalverfügbarkeit und regionale Marktbedingungen. So entsteht ein belastbarer Gesamtblick, der Chancen realistisch einschätzt und Risiken früh adressiert.